Holz und Salz - 400 Jahre Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Waldarbeit im Bergwald. (Foto: Knut Kuckel)
Holz und Salz - 400 Jahre Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Waldarbeit im Bergwald. (Foto: Knut Kuckel)

Holzknechtmuseum – Modern, spannend, interaktiv

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Nach langer Umbaupause ist das neu gestaltete Holzknechtmuseum in Ruhpolding wieder geöffnet. Die Besucher begeben sich auf eine multimediale und interaktive Zeitreise. 400 Jahre Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Waldarbeit im Bergwald.

Die Atmosphäre wirkt richtig geheimnisvoll, Spannung pur – was erwartet mich um die Ecke? – “Jede Station ist ein Erlebnis”, verspricht Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid. Die Reise führt auf einer Fläche von 350 Quadratmetern über den Ausstellungs-Parcours in einen nachempfundenen Bergwald. Mehr als 400 Jahre Berufsentwicklung der Holzknechte machen deutlich, welche Bedeutung die Holzwirtschaft schon immer hatte.

Der größte Umbau des Museums seit Eröffnung im Jahre 1988 ist abgeschlossen. Modern, spannend und interaktiv präsentiert sich das neue Holzknechtmuseum. Große Projektionsflächen zeigen das Leben der Holzknechte. 

Alle Sinne der Besucher werden angesprochen. In besonderer Weise beansprucht das Nase, Ohren und Augen. Das Lebensumfeld der alten und neuen Waldmenschen wird mit unterschiedlichster Technik und Gerätschaften begreifbar gemacht.

Die Holzknechte lebten und versorgten sich in einfachen Holzhütten, die im Freigelände zu sehen sind. Die Hauptnahrung war das Muas. Die Hauptzutaten Mehl und Butterschmalz. Das Holzknechtmuseum zeigt was für die Zubereitung gebraucht wurde.

Eine Spanschachtel für Butterschmalz, die Muaspfanne, einen Schaber und Löffel. Der Appetit kam beim Essen. Nach dem Essen, auch zwischendurch, wurde Pfeife geraucht. Sie war seit Ende des 19. Jahrhunderts die ständige Begleiterin der Holzknechte. Die ausgestellte Pfeife ist eine Dauerleihgabe von Georg Plenk und gehörte dem Ruhpoldinger Holzknecht Georg Kress.

Im Chiemgau ist gefühlt jede zweite/dritte Familie direkt oder indirekt der Holz- und Forstwirtschaft verbunden. Ingeborg Schmid zum Ausstellungskonzept: “Die Welt der Holzknechte mit ihren besonderen Herausforderungen ist heute noch viel mehr als in den 1980er Jahren von den Erfahrungen (vor allem) der nicht von hier stammenden Museumsgäste entfernt. Unser Anliegen ist, dem in kreativer Weise gerecht zu werden.”

Das Holzknechtmuseum ist seit Ende Juli keine Baustelle mehr. Die letzte Folie wurde inzwischen gelüftet. Jetzt geht es ums Entdecken, Erleben – um Weiterbildung. 

Die Schwerpunkte verlagern sich von der Technik auf sozialgeschichtliche Aspekte. Von Bedeutung sind in gleicher Weise die Identität der Waldarbeiter wie die Entwicklung der Holzwirtschaft. “Auf ihrem Streifzug durch unser Haus lassen wir alle Besucher hinter die Kulissen schauen und beantworten ihre wichtigsten Fragen”, sagt die Museumsleiterin.

“Wie lebten die Holzknechte im Wald? Was passierte während ihrer Abwesenheit daheim? Welche Herausforderungen stellen sich heute?” Illustrationen zeigen, worum es schon immer ging. 

Der Ruhpoldinger Georg Sojer lieferte nach Vorschlägen des Ausstellungsteams und der vielen hinzugezogenen Beraterinnen und Berater großflächige Zeichnungen zu allen Themenbereichen. Dort, wo die Arbeiten von Georg Sojer zu sehen sind, gibt es auch Hörstationen. 

Eine Zeichnung erinnert an die alte 50-Pfennig-Münze. Eine weitere an die Frauen der Holzknechte, die daheim Haus, Hof und Kinder zu versorgen hatten.

Starke Frauen. Berührend zu hören: Die über 90jährige Ruhpoldingerin Therese Bichler erinnert sich.

“Es gab nie viel zu essen. Die Arbeit war hart und entbehrungsreich. Trotzdem sagte der Sohn »I werd a Holzknecht«.

Alles ist neu auf beiden Etagen der Dauerausstellung. “Wir erzählen unsere Geschichten entlang mehrerer Video- und Audiostationen. Wo es möglich ist, unter Verwendung von Originalstimmen. Wenn eine Stimme aus der Vergangenheit spricht, übernehmen Schauspieler die Arbeit.”

Ingeborg Schmid nennt Namen von denen, die im Hörstudio des Holzknechtmuseums mitwirkten. “Das waren unter anderem Simon Geierstanger, Manfred Hartl, Georg Jackl, Richard Kecht und Michael Schultes. Mit ihren Stimmen in unseren Hörspielen konnten wir die Geschichte in neuer Form aufrollen.” 

Man spürt noch immer die Freude der Museumschefin, wenn sie in diesem Zusammenhang “den gemeinschaftlichen Einsatz” hervorhebt. Ingeborg Schmid ging auf die zahlreichen Diskussionen, Entwürfe und Konzepte für die neue Ausstellung ein und verglich den Prozess mit einer “anstrengenden Gipfeltour”. Das Engagement der vielen Helfer bei Sammlungs-, Archiv- und Restaurierungsarbeiten ist unter anderem in einer »Herzblut-Tafel« gewürdigt worden. 

Bis zu 180 Leute haben in der Planungsphase ihr Fachwissen und die unterschiedlichsten Erfahrungswerte beigesteuert. Darunter u.a. Mitglieder des Fördervereins und des Vinzenzivereins, Angestellte des Forstbetriebs, des Forstlichen Bildungszentrums und das komplette Museumsteam. Georg Bichler, langjähriger Vorsitzender im Holzknechtverein, erläuterte die Schlittenbringung. “Im Winter wars der Schlitten, im Sommer die Seilbahn. Irgendwie haben die Leute immer das Holz aus dem Wald gebracht.”

“Georg Bichler debattierte beispielsweise auch die Fragen, ob bei der Arbeit Handschuhe getragen wurden oder wie viele Zähne eine Wiegensäge hat? Eine Dreiecksbezahnung etwa? Ja, und wie stehts mit der Tiroler Hobelzahnsäge?”

“Ohne Holz kein Salz”, die Salinenwirtschaft war Motor der industriellen Entwicklung. “Um ihre Sudpfannen zu erhitzen, benötigten die Salinen unvorstellbar viel Holz. Zuletzt produzierte die Saline Traunstein bis zu 10-tausend Tonnen Salz jährlich.”

Damit markierten sie ab 1870 ihren Bedarf. Mehr als 600 Holzknechte und Forstmeister lebten davon. Für die Gründung der Saline Traunstein war die Lage an der Traun wesentlich. Sie ermöglichte die Trift aus den umliegenden Wäldern.

Holzknechte im Arbeitskampf. Im Obergeschoss des Ausstellungshauses geht es um Soziales. Beispielsweise auch darum, wie die Holzknechte eine Gewerkschaft gründeten. Gemeinschaft macht stark. Diese Erfahrung brachte die Holzknechte all die Jahre weiter. 1909 gründeten sie eine Gewerkschaft in Ruhpolding.

Zurück in den Wald: Mit dem Sapi können Stämme kraftschonend bewegt werden und er wird so in die Ausstellungsarchitektur eingebunden, dass Besucher ihn aus dem „Berg“ herausziehen können. In der neuen Dauerausstellung des Holzknechtmuseums kann diese Arbeit aktiv nachempfunden werden.

Bis in die 1950er Jahre spielte noch das Pferd beim Holzrücken im Bergwald eine große Rolle. Der technische Fortschritt in der Holzbringung war aber nicht mehr aufzuhalten.

Ein Symbol für diese Weiterentwicklung war u.a. der Bergkuli, ein sich an einem Tragseil bewegender Laufwagen. Er konnte an beliebiger Stelle fixiert werden und Stämme seitlich beiziehen. 1950 erwarb die Bayerische Staatsforstverwaltung drei solcher Gerätschaften. Dies ging auf eine Initiative Georg v. Kaufmanns zurück, dem damaligen Leiter der “Waldarbeiterschule Laubau” (s. Waldwirtschaft im bäuerlichen Bergwald, Gerhard Waas und Joachim Hamberger).

Der Bergkuli im Holzknechtmuseum wurde unter Aufsicht der Restauratorinnen Dr. Eva Hottenroth (Scheibbs/Österreich) und Dr. Valentina Ljubic-Tobisch aus (Fischamend/Österreich) in vielen freiwilligen Arbeitsstunden überholt. Sie wurden dabei von sachkundigen Helfern unterstützt, das waren u.a. Georg Zenz und Markus Ruf.

Ein Highlight ist die Seilbahn, die sich quer durch den Ausstellungsraum zieht. Besucher dürfen die Seilbahn selbst bedienen, um einen Baumstamm zu transportieren. Das setzt ein wenig Geschick voraus, steht somit auch für das Abenteuer Holzknechtmuseum.

Für die Ausbildung sorgte in früheren Jahren die “Waldarbeiterschule”, heute ist dafür das Forstliche Bildungszentrum der Bayerischen Staatsforsten zuständig. Im Holzknechtmuseum geht es im wesentlichen um das Berufsbild der Forstleute heute und um die moderne Waldarbeit. Sehenswert ist auch die Sonderausstellung “Denkmal im Wald” im Dachgeschoss.

Die Wanderausstellung “DenkMal im Wald! Kultur in der Natur” ist ein Gemeinschaftsprojekt des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan, des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Vereins für Nachhaltigkeit. Unterstützt wurde das Projekt von der Bayerischen Forstverwaltung.

Ein Zeichen von Wohlstand war das Motorrad, mit dem der Holzknecht zur Arbeit fahren konnte. Meist musste anschließend noch ein längeres Stück des Weges zu Fuß zurückgelegt werden. Die Familie Hollweger (Schnauferlstall, Ruhpolding) überließ dem Museum eine BMW R 25 (Baujahr 1953) als Leihgabe. 

“Obacht gem” – Die Waldarbeit war von täglichen Gefahren geprägt. Tafeln und Marterln erinnern daran. Holzmeister Georg Landbichler aus Oberaudorf kam am 20. Oktober 1904 beim Holzrücken ums Leben. Im Holzknechtmuseum erinnert ein Marterl aus Öl und Holz an dieses Unglück.

Waren es früher Axt, Holzsägen und Schlittenbringung, ist heute das Symbol moderner Waldarbeit der Harvester. Wie das in der Praxis funktioniert, kann im neuen Holzknechtmuseum nachempfunden werden.

Aktivstationen machen es möglich, bestimmten Themen auf den Grund zu gehen oder auszuprobieren. Bei der Eröffnungsfeier (Ende Juli) sagte der Ruhpoldinger Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller, das neugestaltete Museum sei “ein Stück Heimat für Holzknechte und Forstleute” geworden.

Öffnungszeiten: (1. Mai bis 31. Oktober) Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 17 Uhr. 

Weblinks: 
→ Holzknechtmuseum Ruhpolding
→ Bildungszentrum in der Laubau, Bayerische Staatsforsten

Neu im Holzknechtmuseum – Waldarbeit im Bergwald

Holzknechtmuseum Ruhpolding – Modern, spannend und interaktiv. (Fotos: Knut Kuckel)

Ich schreibe über das Landleben im alpinen Raum. Über Ereignisse und Begegnungen. Von Hause aus Rundfunkjournalist, bin ich als Grenzgänger der Regionen auch gerne Europäer.

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